Ein Klinikneubau in der Nähe des Ruhrufers in Mülheim, direkt auf den quartären Flusssanden der Niederterrasse geplant – das war der Moment, in dem uns klar wurde, wie unterschätzt das Verflüssigungspotenzial in dieser Stadt ist. Mülheim an der Ruhr, mit seinen über 170.000 Einwohnern, liegt nicht in der höchsten deutschen Erdbebenzone, aber die Kombination aus locker gelagerten Sanden, hohem Grundwasserstand und der Nähe zu aktiven tektonischen Störungen in der Niederrheinischen Bucht verändert die Risikobewertung erheblich. Wir führen die CPT-Versuche oft direkt auf dem Stadtgebiet durch, weil die Drucksondierung uns ein lückenloses Profil des Spitzendrucks und der lokalen Mantelreibung liefert, was für die Bewertung des zyklischen Porenwasserdrucks unverzichtbar ist. In Mülheim sehen wir häufig, dass bereits bei moderaten seismischen Lasten das Risiko eines Festigkeitsverlusts im Baugrund besteht, besonders dort, wo die Terrassensedimente nicht vorbelastet sind.
In Mülheim unterscheidet sich das Verflüssigungsrisiko zwischen der Saarner Aue und den Rändern des Ruhrtals fundamental – eine pauschale Einstufung ohne standortspezifischen SPT oder CPT ist fahrlässig.



