Ein Bauvorhaben mit drei Untergeschossen an der Kaiserstraße, direkt angrenzend an ein Gründerzeithaus mit flacher Streifenfundament. Der Baugrubenverbau musste nicht nur das eigene Gewicht halten, sondern auch die Setzungsempfindlichkeit des Nachbargebäudes kompensieren. In Mülheim begegnen uns solche Konstellationen häufiger, als man denkt: Die geologischen Übergänge zwischen den quartären Kiessanden der Ruhr und dem anstehenden, teils verwitterten Karbon-Sandstein stellen jede geotechnische Bemessung tiefer Baugruben vor eine besondere Aufgabe. Entscheidend ist die realitätsnahe Modellierung des Erdruhedrucks bei geschichtetem Baugrund, ergänzt durch eine CPT-Sondierung zur lückenlosen Schichterfassung in den Übergangszonen. In den Auenbereichen, etwa nahe der Wasserbahnhof-Schleuse, wird die Baugrubensohle häufig durch aufsteigendes Grundwasser hydraulisch beansprucht; hier kombinieren wir die Bemessung mit einer Injektionstechnologie zur temporären Sohlstabilisierung vor dem Aushub.
Die Verwitterungsrinde des Mülheimer Ruhrsandsteins täuscht oft einen Festgesteinscharakter vor, der in der Tiefe abrupt nachlässt – ein klassischer Fall für verformungsorientierte Bemessung.



